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MALPRACTICE

TOMAK betitelt die Rückschau auf seine Malerei der letzten drei Jahre „Malpractice“, was schlampig ausgesprochen auch „Malpraxis“ lauten könnte. Der Begriff bezeichnet im Englischen ein Fehlverhalten, einen Missbrauch, im Speziellen den Amtsmissbrauch, und in medizinischer Hinsicht den Behandlungsfehler, das, was wir umgangssprachlich „Kunstfehler“ nennen. Als Kunstfehler wird etwas bezeichnet, wenn eine (ärztliche) Behandlung nicht nach den Regeln der (ärztlichen) Kunst erfolgt, nach den lege artis. TOMAK zeigt uns also seine Kunstfehler der letzten drei Jahre, Gemälde und Bilder, die offensichtlich nicht den lege artis entsprechen, wie auch immer diese aussehen mögen. Die Stoßrichtung seiner Malpraxis richtet sich gegen die Konventionen des Kunstsystems, gegen die Vorstellungen und Erwartungshaltungen einer bürgerlichen Gesellschaft und gegen die Konformitäten des Kunstmarkts, der zunehmend die Regeln diktiert, was als Kunst zu gelten hat. TOMAK ist ein Antist, der Posterboy der Antikunst, der sich der politischen Correctness, dem Gleichförmigen, dem „Gelackten“, wie er das nennt, entgegenstellt. Antonio Gramsci fand dafür den Begriff der „kulturellen Hegemonie“, eine Beschreibung für die allgemeingültig gewordenen Werte der Bourgeoisie. Herrschaft erwuchs seines Erachtens nicht nur aus Repression, sondern aus „Konsens, gepanzert mit Zwang“. TOMAKs Name ist also Programm, und sein Name ist ein nom de guerre. Seine Diktion ist die des kategorischen Imperativs, sein Auftreten das der kalkulierten Provokation, sein Manifest eines gegen alle und alles: „einer von euch, über euch, gegen euch“.