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Anthropométrie de l'Époque Noire

Als Ausgangspunkt der Serie „Anthropométrie de l’Époque Noire“ dienen ihm historische Frauen-darstellungen aus dem Buch „Das Werden des Menschen im Mutterleibe oder die individuelle Ent-wicklungsgeschichte des Menschen“ von Wilhelm Eckrud aus dem Jahr 1896. Diese Bildnisse suchen den Menschen nicht nur in seiner biologischen Entwicklung darzustellen, sondern kategorisieren und typologisieren ihn zugleich, was insbesondere die Frau in ihrer Funktion und Rolle in der Gesellschaft um 1900 betrifft. Das Frontispiz verkündet großspurig über den Inhalt des Buches, dass „der Mensch in seinem Werden und seiner höchsten Vollendung“ gezeigt werde und stellt als Illustrationen einen Embryo von einigen Wochen und eine Darstellung der hockenden Venus bei, natürlich nackt. Damit ist die Stoßrichtung vorgegeben: es geht um einen institutionalisierten, männlichen, weißen Blick auf den Frauenkörper. TOMAK hat sich nun einige dieser stereotypen Darstellungen ausgesucht und sie einer Transformation unterzogen. Die Intention war eine zweifache: einerseits wollte er die Dynamik und Geschwindigkeit des Strichs, die er in seinen Skizzen perfektioniert hatte, erstmals auf ein Großformat übertragen. Andererseits sollten die chauvinistischen und zum Teil rassistischen Darstellungen durch die rasche Geste dekonstruiert und entwertet werden.

The series 'Anthropométrie de l'Époque Noire' is based on historical portraits of women from the book 'Das Werden des Menschen im Mutterleibe oder die individuelle Entwicklungsgeschichte des Menschen' by Wilhelm Eckrud from 1896. These portraits not only seek to depict people in their biological development, but at the same time categorise and typologise them, especially with regard to women in their function and role in society around 1900. The frontispiece pompously proclaims that 'the human is shown in her development and her highest perfection' and includes illustrations of an embryo of several weeks and a representation of Venus crouching, naked of course. This gives the direction of the book: it is about an institutionalised, male, white view of the female body. TOMAK has now chosen some of these stereotypical representations and subjected them to a transformation. The intention was twofold: on the one hand, he wanted to transfer the dynamics and speed of the stroke, which he had perfected in his sketches, to a large format for the first time. On the other hand, the chauvinistic and partly racist representations were to be deconstructed and devalued by the quick gesture.